Flurbereicherung als Chance für den Weinbau im Wandel
Wenn die Weinbergsflur sich verändert, eröffnen sich neue Chancen: Für mehr Vielfalt, neue Ideen und nachhaltige Zukunftsperspektiven. Das Projekt untersucht, wie aufgegebene Rebflächen zu einer lebendigen und multifunktionalen Kulturlandschaft werden können – mit Platz für Natur, Mensch und innovative Geschäftsideen.

In Deutschland gibt es rund 103.000 Hektar Rebfläche. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Weinbau vor allem in Flach- und Hanglagen intensiviert und die Landschaft durch Flurbereinigungsmaßnahmen stark verändert - mit dem Ziel, die Arbeit zu erleichtern und die Produktion zu steigern. Das führte zwar zu wirtschaftlichem Erfolg, aber auch zu Nachteilen für Natur und Landschaft, zum Beispiel zu einem Rückgang der Artenvielfalt und einem monotonen Landschaftsbild.
Heute steht die Weinbranche in Deutschland und Europa vor großen Veränderungen. Die Produktions- und Energiekosten sind deutlich gestiegen, gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Wein – etwa durch gesundheitliche Trends, innovativen Getränkealternativen und den demografischen Wandel. Dadurch geraten viele Weingüter wirtschaftlich unter Druck.
Eine Lösungsmöglichkeit ist, einen Teil der Rebflächen vorübergehend oder dauerhaft stillzulegen. Im Rheingau wird beispielsweise erwartet, dass bis zu 20 % der Weinberge aufgegeben werden könnten. Diese Entwicklung stellt viele Betriebe vor die Frage, wie die freiwerdenden Flächen künftig sinnvoll genutzt werden können
Hier setzt das Vorhaben an: Der aktuelle Wandel im Weinbau soll aktiv begleitet und neue, nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten für aufgegebene Weinberge entwickelt werden. Ziel ist es, die Chance zu nutzen, um die ausgeräumten und fast nur für die Traubenproduktion genutzten Weinbergsfluren wieder vielfältiger und ökologisch wertvoller zu gestalten.
Das kann geschehen, indem neue Strukturen wie Hecken, Bäume oder Blühstreifen angelegt und die Vielfalt der angebauten Kulturpflanzen erhöht wird. Dies führt zu einer Flurbereicherung. So entstehen nicht nur neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern auch neue Geschäftsfelder: zum Beispiel im Tourismus oder im Anbau von Sonderkulturen.
Gemeinsam mit Winzerinnen und Winzern, Verbänden und weiteren Partnern aus der Region werden im Zuge des Projekts Ideen für die Zukunft gesammelt, ihre Machbarkeit geprüft und modellhaft umgesetzt. Dabei werden auch rechtliche Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten berücksichtigt. Ergebnis der Zusammenarbeit soll ein Praxisleitfaden sein. Außerdem wird wissenschaftlich untersucht, wie eine größere Vielfalt an Kulturpflanzen und Strukturen die Biodiversität fördern kann und welche Auswirkungen Bäume und Hecken in der Weinbergsflur auf die Rebe haben.
Langfristig möchte das Projekt Möglichkeiten aufzeigen, wie Weinbaugebiete unter den sich verändernden Bedingungen zukunftsfähig gestaltet werden können – zum Nutzen der Betriebe, der Natur und der Gesellschaft.