Meist nehmen wir die uns umgebende Landschaft als etwas Statisches wahr. Das ist häufig ein Trugschluss, denn Landschaften entwickeln sich dynamisch. So auch hier!
In diesem Video erläutert Prof. Dr. Eckhard Jedicke vom Institut für Naturschutz wie sich Kulturlandschaften verändern können.
Wenn Sie sich hier umschauen, sehen Sie die typische Weinbergslandschaft des Rheingaus geprägt von klaren Strukturen. Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war das Landschaftsbild allerdings vollkommen anders: Wir sahen viele kleine, recht unterschiedlich bewirtschaftete Parzellen, dazu viele verschiedene Strukturen, z. B. Einzel-Bäume, Alleen, Hecken und bunte Säume. Auf den folgenden Luftbildern wird der Unterschied deutlich:
1952
Die Weinbergsflur klein parzelliert und strukturreich
2024
Die heutige Weinbergsflur: strukturärmer und ausgeräumt


Links die Geisenheimer Feldflur im Jahr 1952 mit vielen, kleinen Parzellen unterschiedlicher Nutzungen. Die kleinen, dunklen Punkte sind Bäume, die zahlreich in der Feldflur verteilt waren. Die Kulturlandschaft diente der Traubenproduktion und der Ernährung, aber gleichzeitig auch als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für wichtige ökologische Leistungen, die für uns Menschen essentiell sind: Sie sorgen für Wasserrückhalt in der Landschaft, einen gesunden Boden und ein attraktives Landschaftsbild.
Rechts dieselbe Landschaft im Jahr 2022. Ganz auf die Traubenproduktion zugeschnitten, hat die Struktur- und Artenvielfalt und die damit einhergehenden ökologischen Leistungen stark abgenommen.
Die Rheingauer Weinbaulandschaft zukunftsfit machen für Mensch und Natur
Wir forschen zusammen mit Winzerinnen und Winzern daran, wie wir vor dem Hintergrund des Klimawandels und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Arten- und Strukturvielfalt und die ökologischen Leistungen der Natur in unsere Kulturlandschaft zurückbringen können. Einige Maßnahmen wie eine Wildhecke haben wir hier am Fuchsberg bereits umgesetzt, auf unserem Forschungspfad werden Sie einige Beispiele kennenlernen.
Unser Animationsvideo nimmt Sie mit auf eine visuelle Reise in die Zukunft: Es zeigt, wie eine Kulturlandschaft aussehen könnte, die Raum für Mensch, Rebe und Natur bietet. Das Video ist kein fertiger Plan, sondern ein Impuls, um gemeinsam mit Winzerinnen, Behörden, Naturschutz, Kulturschaffenden und allen, die hier leben, neue Ideen zu entwickeln. Mehr dazu hier.
Heute wirken klimatische, ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen auf die Region ein – Zeit für ein gemeinsames Nachdenken über die Zukunft.

Eine Wildhecke - Mehr als ein Ansammlung von Sträuchern
Eine besonders wertvolle Struktur ist die angrenzende Wildhecke links und rechts von Ihnen, Sie wurde schon um die Jahrtausendwende angelegt. Sie besteht aus vielen einheimischen Straucharten, die charakteristisch für den Rheingau sind, z.B. Schlehe, Weißdorn, Wildrosen, Hasel, Schneeball, Pfaffenhütchen und Hartriegel.
Die blühenden und fruchttragenden Sträucher ziehen eine Vielzahl von Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Käfer an, während Vögel im dichten Geäst nisten und sich an den Beeren bedienen. Höhlennistende Insekten wie Wildbienen finden in abgestorbenem Holz oder in alten Stängeln ideale Nistplätze. Im Winter dient die Hecke Igeln und Insekten als Überwinterungsquartier. Ihr dichter Aufbau schützt vor Wind und Kälte. Außerdem bewahrt sie den Boden vor Austrocknung und Erosion.
Unsere Wildhecke ist also weit mehr als eine Ansammlung von Sträuchern - sie ist ein lebendiger Teil der Landschaft, der die Vielfalt der Natur auf kleinstem Raum widerspiegelt.

