Unsere Welt braucht mehr erneuerbare Energie – doch die verfügbaren Flächen sind begrenzt. Agri-Photovoltaik (APV) bietet eine Lösung: Hier wird ein Weinberg nicht nur für Trauben, sondern gleichzeitig auch für die Stromgewinnung genutzt.
Im Video erklärt Prof. Dr. Claudia Kammann vom Institut für angewandte Ökologie die Funktion der doppelten Flächennutzung durch Anbau und den gleichzeitigen Einsatz von Photovoltaik im Weinbau.
Die 2023 installierte VitiVoltaic-Anlage an der Hochschule Geisenheim (HGU) ist ein Pilotprojekt, an der wir testen, wie Weinbau und lokale Energieerzeugung Hand in Hand gehen können. Aufgeständerte Solar- module lassen genug Licht für die Reben durch, während oben grüner Strom erzeugt wird.
Forschung für den Wein der Zukunft
Die APV-Anlage dient als Forschungsplattform. An ihr erforschen verschiedene Arbeitsgruppen der HGU, wie sich Reben unter den Modulen entwickeln: Reift der Wein später? Bleibt mehr Säure erhalten? Wie verändert sich das Mikroklima und welche Bedeutung hat dies für die Rebgesundheit? Ist eine solche Anlage wirtschaftlich tragfähig?
Solche Fragen sind wichtig, denn der Klimawandel verändert den Weinbau spürbar. Die APV-Anlage kann vor Sonnenbrand, Hagel und Trockenstress schützen, Wasser sparen und vielleicht sogar den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern. Übergeordnetes Ziel ist es, das Potenzial der APV für die weinbauliche Bewirtschaftung zu erforschen – damit die Weine der Zukunft auch unter den Bedingungen des Klimawandels ihre hohe Qualität behalten.
Wie funktioniert die Anlage?
Die APV-Anlage an der Hochschule Geisenheim bietet eine Vielzahl von Vorteilen für den Weinbau. Die Solarmodule erzeugen nicht nur erneuerbaren Strom, sondern liefern auch Energie für Wärmekabel, die an den Rebstöcken installiert sind. Diese können Spätfrostschäden (Maifröste) durch Wärmeabgabe verhindern. Darüber hinaus spielt das Wasser-Management eine zentrale Rolle: Regenwasser wird aufgefangen und in einer unterirdischen Zisterne gespeichert. Damit wird eine gezielte Bewässerung der Reben ermöglicht und gleichzeitig ein Beitrag zur Wassereinsparung geleistet.
Die mikroklimatischen Effekte der Anlage sind ebenfalls von Bedeutung. Die Verschattung durch die Solarmodule hilft, die Bodentemperatur zu senken und die Verdunstung (Evapotranspiration) zu reduzieren. Dies ist besonders in heißen und trockenen Jahren von Vorteil, da der Wasserstress der Pflanzen gemindert wird. Zudem bietet die APV-Anlage den Reben Schutz, indem die Module die Auswirkungen von Extrem-Wetterereignissen wie Hagel und starker Sonneneinstrahlung reduzieren, wodurch die Gesundheit der Reben gefördert wird.
Schließlich ermöglicht die Anlage die Integration moderner Technologien. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung einer batteriebetriebenen, autonomen Raupe. Diese nutzt den Strom aus der Anlage und navigiert unter den Solarmodulen. Damit erproben wir innovative Techniken für die weinbauliche Bewirtschaftung in der Praxis.

